Upcycling von Wahlplakaten

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Das war doch mal eine freudige Überraschung: Als der Piratenkollege Sven Ludzuweit in Dithmarschen unsere Plakate von der Landtagswahl entfernt hat, traf er auf eine ältere Dame, die ebenfalls dabei war, unsere Plakate abzuhängen.

Frau Kahrens, stellte sich heraus, ist Lehrerin und hat in den Achtzigern mal in Kenia unterrichtet. Noch immer mit dem Land verbunden, beschäftigt sie sich seit einigen Jahren mit Solarkochern, die man praktischerweise aus Hohlkammerplakaten bauen kann.

Was, wie? Ich musste auch nachfragen und Frau Kahrens erzählte mir folgendes:

Anfang der 90er Jahre erfuhr ich das erste Mal von der amerikanischen Firma Solar Cookers International. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits vier Jahre Unterricht in Kenia hinter mir und wollte 1991 erneut nach Afrika, um in Simbabwe in einer Frauengruppe zu arbeiten. Auf dem Weg dorthin machte ich bei meinen Freunden in Kenia halt – im Gepäck die Pläne für einen Boxkocher und einen Panelenkocher.

Ich wollte die Kocher vor Ort nachbauen und stellte leider fest, dass der Boxkocher mit seiner Kastenform einfach zu groß und auch zu teuer ist, um den kenianischen Frauen wirklich zu helfen. Der Panelenkocher war zwar schon deutlich günstiger, jedoch mussten für diesen große, sperrige Platten transportiert werden.

Im Mai 2012 stellte dann der Potsdamer Physiker Dr. Hartmut Ehmler auf der Solarkocherkonferenz im Solarzentrum Mecklenburg-Vorpommern seinen ersten „Lightoven“ vor [in den Bildern zu sehen]. Dieser Panelenkocher war der erste, der die erforderlichen Temperaturen zum Kochen erzeugen konnte und gleichzeitig problemlos transportabel war.  Fertige Bausätze kosten allerdings um die 100 €, natürlich viel zu teuer für ärmere Haushalte in Kenia.

Ich fragte ihn, ob er nicht eine Lösung für dieses Problem hätte. Mittlerweile sind einige weitere Ideen in den „Lightoven“ geflossen, so dass es neben dem zweiten und dritten Modell mittlerweile auch den „Lightoven upcycling“ gibt – einen Solarkocher, den man problemlos aus alten Hohlkammerplakaten bauen kann. Allerdings gingen ihm die Werbeplakate aus, aus denen er Kocher bauen könnte. Und so wäscht eine Hand die andere.

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Tolle Sache, finden wir, und brachten spontan eine Anhängerladung noch nie aufgehängter Hohlkammerplakate, die im Wahlkampf übrig geblieben waren, zu Frau Kahrens. Beklebt werden die Plakate mit billigem Klebeband, zusammengehalten werden die Kocher mit einfachen Schrauben, alles Material, welches man auch in Kenia günstig erwerben kann. Außerdem besteht sowohl das Plakat als auch das Klebeband aus Polypropylen, sodass man am Ende sortenreinen Abfall erhält.

Eigentlich schade, dass bei jedem Wahlkampf so viel Müll produziert wird. Umso schöner, dass diese Plakate noch einen sinnvollen Zweck erfüllen können. 🙂

Natürlich habe ich die Gelegenheit genutzt, gleich noch eine Unterstützungsunterschrift abzugreifen. Denn noch brauchen wir jede Stimme, damit wir zur Bundestagswahl antreten dürfen. Du hast noch nicht für uns unterschrieben? Dann aber schnell! Abgegeben werden können die Formulare in unserer Landesgeschäftsstelle, Ringstr. 58 in 24114 Kiel.

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